Heute an später denken

Demographischer Wandel in Deutschland

Heute schon an später denken

04 April 2012

Bedingt durch den demographischen Wandel und die immer älter werdende Bevölkerung steht Deutschland in vielen Bereichen des Lebens vor großen Problemen. So gibt es für zu viele Menschen zu wenig Platz in adäquaten Wohnräumen. In ländlichen Gegenden häufen sich die zum Verkauf angebotenen Einfamilienhäuser – zu groß und zu teuer, um sie von der älteren Generation bewirtschaften zu können. Ein seniorengerechter Umbau ist in den meisten Fällen ein teures Unterfangen. Viele Senioren wünschen sich zudem ein zentrumnahes Wohnen mit kurzen Fußwegen zum Einkauf oder der gesundheitlichen Versorgung. Auch der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal fordert Entscheidungen auf politischer Ebene, richtet seinen Aufruf aber auch an ehrenamtlich wirkende Menschen und nachbarschaftliche Hilfe die verstärkt werden muss und in den kommenden Jahren mehr und mehr ins Blickfeld der Gesellschaft  rücken wird.

Das Bewusstsein, dass sich etwas ändern muss, hat zu einem Umdenken geführt.

Heute werden Häuser und Wohnungen barrierefrei und seniorenfreundlich gebaut, auch dann schon, wenn die Bewohner uneingeschränkt und behinderungsfrei sind. Der Gedanke dahinter: „Heute schon an später denken!“

Einen großen Schritt in die richtige Richtung hat die Gemeinde Alpen bereits gemacht. Bei einem Besuch des CDU Landtagsabgeordneten Karl-Josef Laumann in der vergangenen Woche wurden Projekte vorgestellt, die zukunftsweisend für die Gemeinde  sind und darüberhinaus ganzheitliche Lösungen im Bereich Wohnen, Pflege und Gesundheit anbieten.

So wurden bereits bei der Planung im „Amalienhof zu Alpen“ Faktoren berücksichtigt, die zum einen das Bewohnen von Menschen aller Altersstufen berücksichtigen, (Mehrgenerationenwohnen) aber die besonderen Bedürfnisse älterer Menschen im Focus haben. Einen Fahrstuhl z.B. weiß jeder zu schätzen. Ein ebenerdiger Zugang zu allen Wohnräumen aber auch zu den Außenbereichen, wie Terrassen, Balkone und Stellplätze vermindert bereits bei der Planung spätere Stolperquellen. Tiefer montierte Fenstergriffe und Lichtschalter erleichtern älteren Menschen und Rollstuhlfahrern die Bedienung, häufig genutzte Steckdosen werden hingegen höher montiert, um ein Bücken nach unten zu vermeiden. Auch sind in jeder Wohnung Hauswirtschaftsräume vorgesehen, in denen gewaschen, getrocknet und gelagert werden kann. Das beschwerliche transportieren von Wäsche und Vorräten in den Keller entfällt. Kurze Wege schaffen Lebenserleichterung und verlängern die Zeit der eigenständigen Versorgung im Alter.

Laumann wies darauf hin, dass neben den Notwendigkeiten und dem Bedarf an seniorenfreundlichen Immobilien auch ein Umdenken gerade im Bereich der ärztlichen Versorgung immer wichtiger wird. Große Probleme werden auf das Land zukommen, denn „etwa 43 Prozent der Hausärzte sind über 55 Jahre. In 7 Jahren steht uns ein Ärztewechsel bevor, doch der Nachwuchs fehlt“, so Laumann. Schafft ein junger Mensch die Numerus Clausus-Hürde von 1,0 und er unter zum Teil 15 Bewerbern auf einen freien Studienplatz ausgewählt, studiert er weitere 10 Jahre um als ausgebildeter Hausarzt praktizieren zu dürfen. Die derzeit 2000 Ärzte in Ausbildung sind 400-500 zu wenig, so Laumann weiter. Daher plädiert er für die Abschaffung des Numerus Clausus für Hausärzte. Auch die Bezahlung sei in NRW rund 15-20 Prozent unter dem Honorar, was in anderen Bundesländern für gleiche Leistungen gezahlt würde.

Auch das Pflegeproblem mit Ausländern zu lösen sei „nicht menschlich“, findet Laumann. Vielmehr müsse man auch denen eine Chance geben, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben Arbeit zu finden. Dazu zählen auch ältere Menschen, denen durch eine qualifizierte, dem Alter angepasste Ausbildung, der Einstieg in den Pflegeberuf ermöglicht werden soll.

Bei einer Begehung der derzeitigen Alpener Bauvorhaben wurden den Beteiligten die Projektfortschritte gezeigt. So wird z.B. der sich derzeit in der Bauphase befindende „Amalienhof zu Alpen“ als barrierefreie Wohnanlage, zentrumsnah in direkter Nachbarschaft zur Kirche entstehen. Dieses Projekt wurde von der evangelischen Kirchengemeinde Alpen ins Leben gerufen, die damit auf stetig wachsende Nachfragen aus der Bevölkerung nach betreuten Seniorenwohnungen reagierte. Mit Erwin ter Hürne als Investor und Andreas Hüls als Projektentwickler und Bauträger der Hüls Baukonzepte GmbH ging das Projekt Ende 2011 in die Realisierung und wird bereits im September diesen Jahres den Einzug der ersten Bewohner feiern. Dann werden durch die Kirchengemeinde verschiedene Pflegedienste und Betreuung angeboten, die das Gesamtprojekt „Amalienhof“ zu einem rundum-sorglosen Wohnen vervollständigen. Die Resonanz auf dieses Projekt ist riesig, denn die Nachfrage nach den 18 Wohnungen ist um ein vielfaches größer als Wohnungen vermietet werden können.

Ein Grund mehr Projekte dieser Art auch in anderen Gemeinden und Städten voranzutreiben und umzusetzen. Der erste Schritt in diese Richtung ist getan.